Ziel meines Aufenthaltes war es die Lehrkräfte zu unterstützen und den Frontalunterricht aufzubrechen, indem ich sie an individuelleren Unterricht heranführe, differenziertes Material einsetze und ihre Kenntnisse in Mengen- und Zahlenlehre verbessere. Ich habe 34 Jahre an einer Grundschule gearbeitet, davon 15 Jahre in einer Integrationsklasse und jahrgangsübergreifend. Ich habe erfahren, wie wichtig Differenzierung und individuelles Lernen ist.

Die Struktur des Unterrichts an der DIANI Montessori Academy wird von der Regierung vorgegeben. Die Unterrichtsstunden dauern 35 Minuten und erschweren durch ihre Kürze einen sinnvoll differenzierten Unterricht. Es wird überwiegend frontal unterrichtet (vorsprechen, nachsprechen, abschreiben). Die Klassen sind nicht jahrgangsgemischt. Lernmaterialien sind kaum bis gar nicht vorhanden, wenn doch, so sind sie im store (Nebenraum) verstaut und für die Schüler nicht selbständig zugänglich.

Ich war bereits 4mal 7-8 Wochen an der DIANI Montessori Academy und habe beim ersten Mal den Mathematikunterricht in der PPII (Alter 5/6 Jahre) unterstützt. Es ging mir in erster Linie darum den Mengenbegriff zu festigen. Die Kinder bekommen bereits mit 4 Jahren erste Kenntnisse von Buchstaben und Zahlen. Sie üben die Zahlen durch Vorsprechen/Nachsprechen, durch Abzählen und manchmal durch Zuordnen. Der Mengenbegriff wird ihnen nicht richtig bewusst.  So werden Mengen immer abgezählt. Das erschwert erheblich den Alltag. Ich habe festgestellt, dass auch viele Erwachsene Probleme mit Mengen haben. Es ist sehr wichtig, den Mengenbegriff bereits in jungen Jahren zu festigen.

Bei meinen weiteren Besuchen habe ich wertvolles Zahlenmaterial mitgenommen und jede Menge Material zur Differenzierung und zur Festigung des Zahlbegriffs. Ich habe wochenlang in der Klasse 1 mit der Lehrerin die Wichtigkeit der Zahl 10 veranschaulicht, die Zehnerüber-und Unterschreitung geübt, in Klasse 2 den Hunderterraum veranschaulicht und vertieft und Übungen und Spiele dazu gemacht. Die damalige Klassenlehrerin zeigte sich sehr interessiert und hat vieles übernommen. Aber dann hat die Klassenleitung gewechselt und die Materialien sind wieder im „store“ verschwunden und waren für die Schüler/innen nicht mehr zugänglich.

In der ersten Woche unseres gemeinsamen Aufenthaltes haben Frau Franke, eine Montessorilehrerin, und ich mit den LehrerInnen in den Klassen PPI, PPII, Grad1, Grad2 und Grad3 Unterricht gehalten. Dazu bildeten wir Gruppen und setzten sowohl Montessorimaterial als auch Material aus meiner Grundschule ein.

Was nutzt das wertvolle gespendete Material, wenn keiner weiß, was vorhanden ist, wie man es nutzt, wenn es in den „stores“ verschwindet?

Das veranlasste uns über einen Materialraum nachzudenken. Ein Zentrum, in dem das ganze mitgebrachte Lernmaterial für alle (Lehrpersonen, Volontäre) auffordernd und zugänglich nach Themen geordnet dargeboten wird. Wir waren von der Idee begeistert. Nach Gesprächen mit der Rektorin wurde uns das wenig benutzte Lehrerzimmer zugestanden. In den letzten beiden Wochen arbeiteten wir fast nur noch an „unserem Materialraum“. Wir haben alle mitgebrachten Materialien aus den Klassen und stores zusammengesucht, gesäubert und sortiert.

Unterbrochen wurden wir öfter durch starke Regengüsse (undichtes Dach) und das Reparieren des Daches.

Im Materialraum hatten wir große Hilfe durch Mitarbeiter der Schule, die den groben Dreck immer wieder beseitigten.

Wir sortierten nach Mathematik (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division, Geometrie), Geographie, logisches Denken, Sprache.

Wir schafften es bis zum letzten Tag fertig zu werden und einen überwiegend wetterfesten (Materialien in Boxen verstaut) zu übergeben, mit der eindringlichen Bitte an die Lehrer/innen:

„Wir haben den Materialraum für euch, die Kinder und die Schule gemacht. Ihr könnt euch Material mit in die Klasse nehmen oder mit Kindern im Raum arbeiten, aber das Material muss nach Nutzung immer wieder gesäubert an Ort und Stelle zurückgebracht werden.“

Die KollegInnen waren begeistert. Es wurden Materialien direkt mit Freude ausprobiert.

Es entstand ein richtiges Fest – zur Würdigung unserer Arbeit. Zum Abschluss haben sie jedem von uns einen Baum gepflanzt.

Der Raum ist noch nicht ganz beschriftet – es fehlen Erklärungen in Englisch zu den einzelnen Materialien. Sie müssen laminiert und richtig angebracht werden. Die Lehrer/innen müssen vorwiegend eingewiesen werden, damit sie wissen, wie sie es einsetzen.

Für mich war es ein guter, beeindruckender Aufenthalt mit dem Bewusstsein einen guten Grundstein für das Aufbrechen des Frontalunterrichts gelegt zu haben. Im Januar 2020 werde ich bei meinen nächsten Aufenthalt die Lehrerschaft anleiten und qualifizieren das vorhandene Material sinnvoll einzusetzen.